Klasse anstatt Masse: Das ist das Credo des Entsorgungsbetriebs Hündgen in Swisttal

16 August 2016

Hündgen entscheidet sich für das Sortiersystem UniSort Black zur Sortierung von schwarzen Kunststoffen

Christian HündgenUnternehmenslenker in der dritten Generation

Die UniSort Black zur Sortierung der problematischen LVP Restefraktion: ein Gemisch aus schwarzen und dunklen Kunststoffen sowie zusätzlichen Kunststoffen, die ein NIR-spezifizierbares Spektrum aufweisen (PE, PP, PS)

LVP Inputmaterial vor der Sortierung: Fraktion der 60-200 mm großen Sortiergüter

STEINERT‘s Wirbelstromscheider

 

(Pressemitteilung PDF)

Für Christian Hündgen steht fest: Je mehr Sekundärrohstoffe wieder zurück in die Produktion von Produkten zurückgeführt werden können, desto besser. Aus diesem Grund hat sich das Familienunternehmen darauf fokussiert, durch Sortierung eine möglichst hohe Reinheit beim Angebot der Wertstoffe zu erreichen. „Wir konzentrieren uns eher auf die Sortiertiefe als auf hohe Durchsätze. So bleiben wir für unsere Kunden in unserem Raum interessant“, sagt der Betriebsleiter.

Um dieses Ziel zur erreichen, haben Christian Hündgen und Sascha Haag, Vertriebsmanager beim Spezialisten für Magnet- und Sensorsortierung STEINERT, die restlichen Verluste aus den Leichtverpackungen (LVP) aus der Kunststoffsortierung näher unter die Lupe genommen. Wenn Abfall nicht vermieden werden kann, so ist die stoffliche Verwertung, heißt die Rückführung in den Produktionsprozess, der beste Schritt. Ist ein Material nicht aufzubereiten, dann bleibt die energetische Verwertung, das Verbrennen. Die Sortierreste kommen aus den Gelben Säcken und dienten bis dato der Herstellung hochchalorischer Ersatzbrennstoffe (EBS) für die thermische Verwertung. Es galt die Frage zu beantworten, welcher weitere Sortierschritt es ermöglicht, weitere Wertstoffe auszuheben um sie für die stoffliche Verwertung zu nutzen.

Auch bei STEINERT zählt zu den aktuellen Themen, die Recyclingraten der Kunden zu erhöhen und ihre Kosten zu reduzieren. STEINERT stellte sich der Aufgabe, schwarze Kunststoffe wirtschaftlich auszusortieren, denn diese Frage bewegte die Entsorgungswirtschaft schon lange.

Das Sortiergut der Fa. Hündgen wurde im nächsten Schritt im Kölner Test Zentrum untersucht, um zu testen, welche werthaltigen Kunststoffe aus den LVP-Resten gewonnen werden können. Überzeugt hat Hündgen das Sortiersystem UniSort Black. Es sortiert sämtliche schwarze Kunststoffe aus dem Materialstrom heraus. Kunststoffe, die ohne dieses System verloren gingen. Zusätzlich werden Kunststoffe ausgetragen, die ein NIR-spezifizierbares Spektrum aufweisen (beispielsweise PE, PP, PS). „Die Kaufentscheidung durch die Versuche im Testzentrum abzusichern, hat uns überzeugt“, betont Hündgen. „Die Versuchsbedingungen wurden anlagengetreu durchgeführt. Das hat uns die Entscheidung erleichtert. Hinzu kommen die Möglichkeiten der Fernwartung, die schnelle Hilfe bei Anpassungen ermöglicht“. Bei der Verarbeitung von ca. 200 Tonnen pro Tag ein wichtiger Faktor für das Familienunternehmen.

Familienunternehmen als Technologieführer

Dass sich das Familienunternehmen für die UniSort Black entschieden hat, ist eine logische Konsequenz. Denn schaut man auf die Geschichte des Betriebes, sind Führerschaft in Technologie und Marktverständnis tief verankert: Mit Einführung des Grünen Punktes Anfang der Neunziger waren Hündgens Vorreiter im Thema Kreislaufwirtschaft, in der die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus der Ware hinaus wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. „Wir reagieren nicht erst wenn die Gesetzgebung erfolgt, sondern sind im Vorfeld schon aktiv und auf Veränderungen vorbereitet“, resümiert Christian Hündgen die Entwicklung des Betriebes. „Durch unsere Aktivitäten in Verbänden und unsere Zusammenarbeit mit Hochschulen, sowie als Projektpartner bei Forschungs-instituten wollen wir uns früh über zukünftige Entwicklungen informieren und daran teilhaben“.

Das mittelständische Unternehmen hat heute 120 Mitarbeiter. Seitdem es 1949 von Anna und Peter Hündgen als Fuhrunternehmen gegründet wurde, hat es sich stetig an die Marktbedürfnisse angepasst und weiterentwickelt. Zunächst in der Nachversorgung des 2. Weltkrieges, später als Betreiber von Kiesgruben. Als diese in Mülldeponien umfunktioniert wurden, passte sich Familie Hündgen wieder den veränderten Marktbedürfnissen an und kümmerte sich um das Thema Entsorgung.

Rund 140 LKW kommen täglich in der Peterstraße an. Über das Jahr gesehen verteilen sich die Abfälle auf rund 52.000 t/a Leichtverpackungsabfall (LVP) und 30.000 t/a Gewerbeabfälle. Hündgens produzieren 50.000 t/a Ersatzbrennstoff (EBS). Andere Dienstleistungen wie das Verpressen von Folie, Papier, Kunststoffen oder das Annehmen von Holz, Grünabfällen, Straßenkehricht und Bauschutt werden ebenfalls vorgenommen. Dazu dient der im Betrieb angesiedelte Containerdienst, ein mit über 20 Fahrzeugen ausgestatteter Fuhrpark.

Verbrennungskosten senken, Recyclingraten & Vertragssicherheit erhöhen

Bei der Aufbereitung zur stofflichen Verwertung separiert Hündgen nach verschiedenen Korngrößen: Die Fraktion der 60-200 mm großen Sortiergüter ist die mit der höchsten Sortiertiefe. Sie durchläuft unterschiedliche Stufen. Der Prozess besteht aus Schritten mit Überbandmagneten, Wirbelstromscheidern STEINERT NES, und STEINERT NIR Sortiergeräten. Bis vor kurzem endete der Prozess hier und die Reste gingen als EBS in die thermische Verwertung in z.B. Zementwerke. Nach den Tests mit der UniSort Black ist nun ein weiterer Sortierschritt hinzugekommen. „Mit der UniSort Black konnten wir nicht nur das Angebot auf der Kundenseite flexibilisieren, sondern gleichzeitig den Dualen Systemen höhere Sortierquoten melden.“ Somit wurde die Ausbringungsrate der Kunststoffe aus der Restefraktion erhöht und die Wertstoffe können in den Materialkreislauf zurückgeführt und für die stoffliche Verwertung genutzt werden. „Zudem können die vertraglich verabredeten Sortierquoten besser erreicht werden, wir sparen an Verbrennungskosten und haben nicht zuletzt die Möglichkeit, Polyolefine (PO) in Form von Flaschen aus PE und PP zu extrahieren und nochmals einen Wertstoffzugewinn zu verbuchen“, so Christian Hündgen.